Vertrauensausschuss
In der Emmausgemeinde nennt sich der Kirchenvorstand Vertrauensausschuss. Im gegenseitigen Vertrauen leitet der Vertrauensausschuss gemeinsam mit dem Pfarrehepaar Schnepel die Gemeinde.
Esther Kramer (Vorsitzende des Vertrauensausschusses)

Christina Schnepel (Pfarrerin)
Nach Moskau bin ich mit meinem Mann und unseren drei Kindern Henrike, Christoph und Friedrich gekommen, weil wir gerne eine Pfarrstelle fern der Heimat antreten wollten. Die Arbeitsfelder der Emmausgemeinde mit den vielen jungen Familien, den ökumenischen Kontakten und der Nähe zur Deutschen Schule (dienstlich und geographisch) haben uns hierher gelockt.
In meinem Beruf liebe ich am meisten die Gestaltung von Gottesdiensten und das Unterrichten von Religionsunterricht in der Schule. Wie erwartet ist mir meine Heimat in der Fremde ein Stück näher gerückt. Heimat sind für mich die hügeligen, bewaldeten Landschaften um Marburg und in Nordhessen, ahle Wurscht und die vielen schönen, historischen Kirchen.
Markus Schnepel (Pfarrer)
Die „Emmausjünger“ erleben Jesus beim Brotteilen und machen sich von der Osterbotschaft beflügelt auf den Weg. Ich entdecke Kirche noch einmal ganz anders, wenn wir als Gemeinde in Moskau miteinander teilen. Gerade das Unterwegssein, das Provisorische, ohne Kirche, ohne vieles Gewohnte, macht die Gemeinschaft mit Gott und miteinander neu erfahrbar. Das interessiert mich und hat mich hierhergebracht: Kirche unterwegs - weltweit in ökumenischer Offenheit. Und dafür stehe ich auch in der Gemeinde: Gottesdienste, Gemeindeleitung und Außenkontakte.
Heimat ist, wo ich mich zu Hause fühle: Mit meiner Familie, im Gottesdienst, auf dem Grillplatz mit lieben Menschen, beim Wandern in Nordhessen, mit einem Eis auf dem Marburger Marktplatz, eine gute deutsche Zeitung lesend…..
Katja Bruisch

Ich bin seit August 2010 am Deutschen Historischen Institut Moskau tätig. Nach einem Studien- und mehreren Forschungsaufenthalten hat das Leben in Russland für mich eine überraschende Selbstverständlichkeit angenommen: von Pelmeni oder süßen konfety, über die langen – und wenn man aus Deutschland von den ersten Weidenkätzchen hört – schier endlosen Monate des Schnees bis hin zur überfüllten Metro während der chas pik.
Dass es die Emmausgemeinde gibt, trägt viel dazu bei, dass ich mich hier nicht fremd fühle. An Gemeinde schätze ich die Bedingungslosigkeit des Zusammenseins, Andacht, Singen. Sie vermittelt mir, was ich als „Heimat“ bezeichnen würde: ein Gefühl des Dazugehörens und des Aufgehobenseins. Mit großer Zuverlässigkeit stellte es sich ein während der Liturgie, langer Abende am Küchentisch, beim Telefonat vom einen Land zum anderen oder auch im kurzen Gespräch mit dem Honigverkäufer vor meinem Haus hier in Moskau.
Siggi Geike
Ich fühle mich in meinem christlichen Glauben in unserer "bunten" Gemeinde geborgen und habe einen Glaubensstandort hier in Moskau!
... "wenn ich jede Hand, die sich mir täglich entgegenstreckt irgendwie erreichen kann, eventuell auch noch in irgend einer Art helfen kann, dann habe ich schon viel erreicht --- Der Weg ist das Ziel.
Privat versuche ich, mich an das afrikanische Sprichwort zu halten: "Zeige der Sonne Dein Gesicht + die Schatten fallen hinter Dir!" Und für die "Welt" gilt für mich: "Ich will die Welt wie ein loses Gewand tragen!" --- auch ein afrikanisches Sprichwort, welches mir täglich hilfreich zu Seite steht!
Im Mai 1990 ( also vor 20 Jahren) bin ich geschäftlich nach Moskau gekommen, und habe hier meine 3. Ehefrau finden dürfen. Somit lebe ich hier in dieser von allen Seiten her sehr interessanten Millionenstadt und bin hier zu Hause! Heimat? .......das ist für mich Schleswig-Holstein, Nuebbel – ein kleines Dorf an der Eider, dort bin ich aufgewachsen, dort steht mein Elternhaus! Ein bis zweimal im Jahr "erhole" ich mich dort!
Annette Madest
Ich bin 42 Jahre alt, lebe mit meiner Familie (Ehemann und drei Kinder im Alter von 12, 9 und 6 Jahren) seit August 2007 in Moskau und bin seit 2009 Mitglied im Vertrauensausschuss der Emmaus-Gemeinde. Als Bedienstete des Auswärtigen Amtes ist der ständige weltweite Ortwechsel nicht nur Teil meines Berufes, sondern auch Teil des Lebens meiner gesamten Familie.
Auch wenn meine Heimat nach wie vor der Niederrhein ist, so gibt mir die Emmaus-Gemeinde Moskau einen Teil des spirituellen Korsetts, das für die Bewältigung des nicht immer leichten Alltags in Moskau notwendig ist. Es ist wichtig für mich, in der Gemeinde trotz oder gerade wegen ihrer Vielfalt Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen.
Karl Bauer
Was ich an der Gemeinde schätze?
Von meiner Herkunft her bin ich ein typischer Vertreter der sogenannten Volkskirche. Vermutlich würde ich an jedem beliebigen Ort der Welt, wo ich mich gerade aufhalte, am Sonntag nach einer christlichen Gemeinde suchen. Der Besuch eines Gottesdienstes ist einfach ein angeborener Trieb in meinem Dasein.
Die Emmausgemeinde ist aus der Sicht von Mitgliedern, die immer hier sind (wie meine Frau Valentina und ich), auch durch ihre hohe Fluktuation interessant. Man lernt immer neue Leute kennen, mit denen einen mehr als nur ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch verbindet. Es stellt sich immer wieder heraus, dass das ideologische Tischtuch des Herrn sehr groß ist. Es bietet vielen Strömungen und Vorstellungen Platz, die unter evangelisch gesammelt werden können.
Wichtig empfinde ich, dass die Gemeinde offen ist und bleibt für Suchende, aber auch für Menschen, die nur noch über die Hintergrundstrahlung erahnen, dass ihre Familie irgendwann mal christliche, vielleicht sogar evangelische Wurzeln hatte.
Wofür ich mich einsetze?
Dass die Emmausgemeinde möglichst viel von unserem westlichen Verständnis von Kirchen der Reformation sowohl in das reformierte Umfeld in Russland, als auch in die uns derzeit nicht gerade gedanklich voll erfassbare orthodoxe Welt hinein abzustrahlen vermag!
Dabei geht es darum, das gute Einvernehmen mit der katholischen Schwestergemeinde weiter zu pflegen und der orthodoxen Umwelt in erster Linie eine "gesamtlateinische" Haltung vorzuleben, die das beinhaltet, was wir mit den Katholiken gemeinsam haben, nämlich das Grundverständnis, dass jedes gesellschaftliche Leben auf dem römischen Recht, das für Alle gleich zu sein hat, angewendet sein sollte, und nicht auf byzantischem Beziehungsgeflecht.
Warum ich in Moskau bin und mit wem?
Von einer ursprünglichen Interessiertheit an den Vorgängen in der Sowjetunion als Student und DAAD-Stipendiat 1975 - 78 hat es mich dann beruflich ganz hierher verschlagen und auch über die Jahrzehnte verklebt. Ein Vierteljahrhundert verbrachten wir mit unseren Töchtern in Moskau, die nach dem Abitur an der Deutschen Schule 2003 und 2007 in Richtung Westeuropa zum Studium das elterliche Haus verlassen haben.
So hoffen wir, dass wir uns zu zweit für eine Restlaufzeit von gut 5 Jahren, noch ein wenig "beeilen können Gutes zu tun"- so der Herrgott mir die Möglichkeit gibt, ein sozial verträgliches Arbeitsleben genau an der gesetzlichen Pensionierungsgrenze durchzustehen.
Was ist für mich Heimat?
Die soeben abgeflauten Staatsfeiern zum Sieg über Hitler-Deutschland (09. Mai 2010) geben dieser Frage eine gewisse Brisanz. Heimat ist für mich sicherlich nicht, in Preußens - oder bei mir besser gesagt Bayerns - Gloria zu schwelgen oder besonders stolz darauf zu sein von dort her zu kommen.
Heimat ist Schicksal! Es umfasst den Kulturkreis, in den ein Mensch hineingeboren wurde, mitsamt seinen kulturellen Leistungen und auch seinem Schmach, der sich ja auch in dem heute natürlich auch schon künstlich aufrecht erhaltenen Siegesjubel widerspiegelt.
Zunächst bin ich Gott dankbar, in eine christliche Umgebung hineingeboren zu sein, in der sich natürlich zuallererst aus Tradition aber hoffentlich auch über den Zweifel aus Überzeugung der Glaube an die Macht der Liebe festigen konnte. Nach meinem persönlichen Empfinden ist dies ein Erbe der Reformation.
Heimat sollte aber auch immer das unbehagliche Gefühl bleiben, dass draußen vor den Türen und drinnen in den Räumen viele Menschen unbewusst die Sehnsucht nach Heimat in sich tragen, aber dieses Gefühl nie erfahren durften.
Heimat wird stets von ihren Mitnutznießern nach außen, in andere Weltgegenden getragen. So will ich stets versuchen, Deutschland von der positiven Seite darzustellen, auch wenn es manchesmal das Nachzeichnen von Klischees bedeutet, welche die Russen aus mehr als 500 Jahren nebeneinander über die Deutschen haben und hegen. Besonders wichtig ist für mich ein Vorbild im Strassenverkehr zu sein und zu bleiben. Sämtliche Bestrebungen mein Heimatland neutral darzustellen, scheitern sprachlich schon an meiner mainfränkischen Klangfarbe oder etwaigen selbstverleugnenden Vertuschungsversuchen, nach mehr als 30 Jahren Industriemanager in Moskau nicht als der Waldbauernbub aus dem Vorspessart erkannt zu werden, als der ich vor fast sechzig Jahren das Licht der Welt erblickte.
Nicht nur das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, sondern auch Burjatien, aus der meine Frau stammt, ist für mich ein Stück Heimat. Und natürlich Moskau, obwohl ich nie zum richtigen Stadtmenschen taugen werde, und auch sehr viel laut kritisiere.
Heimat glänzt immer in mehreren Facetten: des Ortes, des augenblicklichen kulturellen Umfeldes und der geistlichen Zugehörigkeit. Und Heimat ist auch immer die Achtung der Heimat des Anderen, des Nächsten in ihrer Verschiedenartigkeit der Werte.
